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70 Jahre Preisvergleich Die Inflation der Ikea-M?belklassiker

Der Ikea-Katalog aus dem Jahr 1951 ist mit dem heutigen nicht zu vergleichen. Quelle: Ikea

Der Ikea-Katalog feiert seinen 70. Geburtstag. Viele Klassiker gibt es bereits seit Jahrzehnten - und so offenbaren sie die Ikea-Inflation.

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t?Billy Regal Vintage 80er Jahre.“ So lautet die Anzeige von Tim Noll auf Ebay. Das Regal hat er von seinem Onkel bekommen, der dieses vor 40 Jahren bei Ikea kaufte. Ein Klassiker, den die weltweit gr??te M?belmarke auch heute noch anbietet. Das zeigt ein Blick in die 70 schwedischen Jahreskataloge, die das Ikea-Museum kürzlich ver?ffentlichte. Sie gew?hren nicht nur Freunden des funktionalen Einrichtungsstils einen spannenden Einblick, sondern auch allen an Wirtschaft Interessierten.?In den Katalogen ist n?mlich eine ganz eigene und aufschlussreiche Statistik verborgen:?die Statistik der Ikea-Inflation. Wie viel mehr müssen K?ufer bei Ikea heute zahlen und welche Preissteigerungen lassen sich daraus ableiten? Die vergleichsweise standardisierten M?bel, die oft über l?ngere Zeit ?hnlich angeboten werden, bieten bei der Suche nach der?Antwort?eine gute Grundlage.

Noll ist im Besitz?eines der ersten Billy-Regale. Das erste Regal ist 1979 in verschiedenen Gr??en für bis zu 298 schwedische Kronen im Katalog aufgelistet. Damals entsprach das umgerechnet 65,17 Euro (angesetzt wird jeweils der historische Wechselkurs von schwedischen Kronen in Deutsche Mark, dann umgerechnet mit 1,95583 Mark pro Euro). 2021 wird?der Klassiker?595 Kronen kosten, das sind zum aktuellen Wechselkurs 56,69 Euro. Das entspricht in Euro gerechnet einer j?hrlichen Inflation von minus 0,3?Prozent. In Kronen hingegen kommen 1,7 Prozent Inflation pro Jahr zusammen.?Die Abweichung liegt daran, dass die Schwedische Krone seit den Fünfzigerjahren kontinuierlich gegenüber der Deutschen Mark an Wert verlor.

Zum Vergleich: Die Inflation in Deutschland lag laut Daten des Statistischen?Bundesamts zwischen 1979 und 2019 auch bei 1,7 Prozent pro Jahr. Für den Vergleich haben wir für die Jahre vor 1991 den Verbraucherpreisindex mit der Entwicklung der Gro?handelspreise zurückgerechnet, denn soweit reicht die Datenreihe des Statischen Bundesamts nicht zurück.

Die Ikea-Klassiker im Wandel der Zeit
Das erste Billy-Regal kam 1979 auf den Markt Quelle: Ikea
Ein Jahr sp?ter: Am Design ?nderte sich nichts. Der Preis jedoch stieg auf maximal 328 Kronen. Quelle: Ikea
1990 ging der Preis auf bis zu 485 Kronen hoch. Quelle: Ikea
Mit Beginn der 2000er konnten noch weitere Farben erworben werden. Der Preis sank auf 445 Kronen. Quelle: Ikea
Das aktuellste Billy-Regal: Im Katalog für das Jahr 2021 kostet es 595 Kronen. Die Darstellung wirkt deutlich lebhafter. Quelle: Ikea
Das ?lteste Ikea-M?belstück: Der Mk-Sessel - sp?ter Strandmon-Sessel. Er ist 1951 für 207 Kronen erh?ltlich. Quelle: Ikea
1954 gibt es den MK-Sessel für 254 Kronen. Die Darstellung ?hnelt eher einem Lexikoneintrag. Quelle: Ikea

Davon ausgehend, dass auch die Preise in Deutschland sich an denen in Schweden orientierten, wurde das Billy-Regal für Deutsche also immer leichter erschwinglich. Vielleicht erkl?rt das einen Teil des Erfolgs: Insgesamt verkaufte Ikea bislang mehr als 60 Millionen Stück. Die Billy-Regale werden heute in über 50 L?ndern weltweit sowie in Designmuseen ausgestellt.

Das Billy-Regal ist jedoch nicht der ?lteste Klassiker: Den Strandmon-Sessel gibt es bereits seit dem ersten Katalog im Jahr 1951 – nur unter einem anderen Namen. ?Der Strandmon-Sessel stellt eigentlich eine Weiterentwicklung des MK-Sessels dar“, verr?t die Ikea-Pressesprecherin Chantal Gilsdorf. Hier ist der Preis kontinuierlich gestiegen: Das erste Produkt kostet im Katalog 207 Kronen, das entspricht zu den historischen Kursen 85,51 Euro. Aktuell kostet der Sessel 1995 Kronen, macht 190,09 Euro. Auf die 70 Jahre und in Kronen betrachtet, macht das eine Inflationsrate von 2,8?Prozent pro Jahr. In Euro ergeben sich nur 1,1 Prozent j?hrliche Inflation.

Ein weiterer Klassiker, der seinen Ursprung in den Achtzigerjahren hat, ist das Sofa Klippan. Zum ersten Mal kam es im Jahr 1980 zum Preis von 898 Kronen (197,20 Euro) auf den Markt. Dann stieg der Preis in Schwedischen Kronen enorm: Innerhalb von 17 Jahren kostete das Sofa mehr als dreimal so viel. Die Inflation betr?gt in dem Zeitraum pro Jahr sieben Prozent. Nach dem Boom sank der Preis jedoch ab der Jahrtausendwende wieder.

W?hrend die meisten Ikea-Klassiker eine Inflation durchmachten, versteckt sich in den schwedischen Katalogen auch ein M?belstück, dessen Preis gesunken ist: Das Ecktorp-Sofa. Erstmalig erschien das Sofa 1998 zum Preis von 4995 Kronen. Heute kostet es genau 1500 Kronen weniger. Damit liegt auch die Kronen-Inflationsrate hier im Negativen bei -1,2 Prozent pro Jahr.

Gro?e Margen und kleine Mengen?

?Neben der Funktion, Form, Qualit?t und Nachhaltigkeit ist ein niedriger Preis für uns besonders wichtig“, erl?utert Gilsdorf. Bereits 1949 habe Ingvar Kamprad, der Gründer von Ikea, seine Preispolitik verteidigt, indem er die Zwischenh?ndler ausschloss, um den Preis für den Endkunden so niedrig wie m?glich zu halten. Deshalb stütze sich das Gesch?ftsmodell auch heute noch auf gro?e Mengen und keine hohen Margen. Eines der wichtigsten Instrumente, mit denen?Kamprad den niedrigen Preis verwirklichte, seien innovative Ideen in den Bereichen Vertrieb und Logistik gewesen. ?Deshalb haben wir so flache Verpackungen“, begründet die Pressesprecherin. Aber auch die enge Zusammenarbeit mit polnischen Lieferanten sei ein Grund, der die verh?ltnism??ig geringen Preise m?glich mache.

Zehn Fakten über das schwedische M?belhaus
Ingvar Kamprad Quelle: REUTERS
Das Foto aus dem Jahr 1974 zeigt das erste in Deutschland er?ffnete Ikea-M?belhaus in Eching bei München Quelle: dpa
Ikea K?ttbullar Quelle: dpa
Wie Ikea zu seinem Namen kam Quelle: dpa
Der Ikea-Katalog ist beliebter als die Bibel
Das Bücherregal ?Billy“ ist einer der Ikea-Verkaufsschlager schlechthin Quelle: dpa
Ikeas "Klippan" ist nicht nur ein Sofa für die Studentenbude, sondern auch ein kleines Kaff in der schwedischen Provinz. Quelle: dpa

17-J?hriger gründete Ikea

Die Ikea-Geschichte hat ihren Ursprung im Jahr 1943. Im Alter von 17 Jahren gründete Ingvar Kamprad Ikea. Der Name setzt sich aus seinen Anfangsbuchstaben und denen des elterlichen Bauernhofs Elmtaryd sowie des nahe gelegenen Dorfes Agunnaryd zusammen. Kamprad fing klein an – zun?chst mit dem Verkauf von Kugelschreibern und Streichh?lzern. Erst fünf Jahre sp?ter nahm der junge Unternehmer M?bel in das Sortiment auf. 1955 begann Ikea schlie?lich auch eigene M?bel zu entwerfen. Den Grund verr?t die Pressesprecherin: ?Einige Mitbewerber setzten ihre Lieferanten unter Druck, Ikea zu boykottieren.“ Im Jahr 1974 kam Ikea erstmalig nach Deutschland – genauer gesagt nach München. Heute ist Deutschland mit 53 Einrichtungsh?usern der gr??te Ikea-Markt weltweit. ?

Katalog durchlief viele Erneuerungen

Doch wie hebt sich Ikea von der Konkurrenz ab? Ein Blick in die aktuellen Kataloge genügt. Statt die einzelnen Produkte darzustellen, ?hnelt der Katalog eher einem typischen Einrichtungsmagazin. Die M?bel werden in voll ausgestatteten R?umen dargestellt. ?Dem Menschen gef?llt es, wenn Dinge in einem Zusammenhang stehen“, sagt die Wohnpsychologin Barbara Perfahl. Kunden wollen sich zwar zurechtfinden, aber auch Entdeckungen machen. Genau dies erm?glicht der Ikea-Katalog. Die 70 Kataloge zeigen jedoch eine regelm??ige ?nderung im Design. W?hrend die ersten eher einem Lexikon ?hneln, die ein einzelnes M?belstück erkl?ren, wird heute eine komplette Einrichtung gezeigt. ?Immer wieder musste das Bildmaterial verbessert werden“, sagt die Sprecherin. Auff?llig ist auch, dass immer mehr Patchwork-Familien in den Wohnbildern dargestellt werden. Besonders in den ersten Katalogen warb Ikea auf dem Cover mit niedrigen Preisen. Die Entwicklung zum Weltmarktführer zeigt sich im Umsatz: Im Jahr 1950 lag dieser – so Gilsdorf – bei einer Million schwedischen Kronen (gut 400.000 Euro) und im vergangenen Gesch?ftsjahr bei 41,3 Milliarden Euro.


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Der aktuellste Katalog sticht besonders ins Auge. Nicht nur wegen des?70. Geburtstags. Die Jahreszahl fehlt. Damit soll nach Angaben der Sprecherin eine inhaltliche Neuausrichtung dargestellt werden. Denn: Die Neuheiten gelten nicht nur für ein Jahr. Schon l?nger setzt Ikea auf M?bel, die aus recyceltem Material bestehen. Nun legt?das Unternehmen den Fokus noch st?rker auf Nachhaltigkeit. Anders als in den Vorjahren ist der Katalog seit dem 17. August nur noch auf Anfrage erh?ltlich. Und weiter: Statt auf dem Cover zu werben, wird auf Innovation hingewiesen. ?Tipps und Tricks für einen besseren Alltag“, hei?t es. Auch die Druckauflage hat sich im Laufe der Zeit gewaltig ver?ndert: Der erste Katalog ist nach Angaben der Ikea-Pressesprecherin 285.000 Mal gedruckt worden. Heute sind es etwa 190 Millionen Exemplare.

Mehr zum Thema: Weil gro?e Reisen ausfallen, m?beln viele die Wohnung auf. Baum?rkte, M?belh?ndler und Küchenhersteller profitieren vom Cocooning-Trend.

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