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Deutsche Bank Was kann Paul Achleitner denn für Corona?

Paul Achleitner ist als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank umstritten. Quelle: REUTERS

Um den umstrittenen Aufsichtsratschef der Deutschen Bank ist es ruhig geworden. Bei der Hauptversammlung gilt das Interesse der Aktion?re schon dem wahrscheinlichen Nachfolger.

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Erfolg ist auch eine Frage der Erwartungen. Unter dieser Pr?misse dürfen sich Aktion?re der Deutschen Bank bei der (virtuellen) Hauptversammlung des Instituts am Mittwoch tats?chlich als Gewinner fühlen. Denn auf Jahressicht ist die Deutsche-Bank-Aktie nur gut vier Prozent im Minus, der Dax dagegen fast zehn Prozent. Auch die schon uneinholbar enteilt scheinende europ?ische Konkurrenz ist in Sachen B?rsenwert pl?tzlich wieder in Sichtweite geraten. Die Kurse anderer Banken haben sich wegen der Corona-Pandemie teilweise halbiert, mit der franz?sischen Société Générale hat eine Gro?bank das Frankfurter Institut jüngst sogar beim aussagekr?ftigen Kurs-Buchwert-Verh?ltnis unterboten. Fast schon übermütig retweetete Kommunikationschef J?rg Eigendorf deshalb die Twitter-Botschaft eines Journalisten, der ausgerechnet hatte, dass die US-Bank JP Morgan derzeit nicht mehr 28-, sondern nur noch 20-mal so viel wert ist wie die Deutsche Bank. Dass sich beide Institute vor zehn Jahren zumindest aus Frankfurter Sicht noch ungef?hr auf Augenh?he bewegten, ist offenbar l?ngst vergessen.

Es liegt weniger an der eigenen St?rke als an der Schw?che der Konkurrenz, dass der Druck vor dem Jahrestreffen der Anteilseigner so niedrig wie selten in den vergangenen Jahren ist. Da str?mten Tausende gebeutelte Anleger in die Frankfurter Festhalle um ihrem Unmut über den abermaligen Verm?gensverlust teils lautstark Luft zu machen. Sicher, auch jetzt gibt es dr?ngende Fragen an das Führungsteam um Christian Sewing. Doch die Pandemie überschattet alles. Ob der unerwartete Gewinn im ersten Quartal ein Strohfeuer, ob der Kapitalpuffer ausreichend ist, um deutlich steigende Kreditausf?lle auszuhalten, kann derzeit niemand auch nur einigerma?en seri?s prognostizieren. Und das ist auch nur noch bedingt die Folge guten oder schlechten Managements.

Das ist sicher kein Nachteil für Paul Achleitner. Um den umstrittenen Aufsichtsratschef ist es still geworden, seine vorab ver?ffentlichte Rede hat daran nichts ge?ndert. Anders als in den Vorjahren verzichtete er darauf, Parallelen zwischen der Bank und dem ?rtlichen Fu?ballclub Eintracht Frankfurt zu ziehen. Mit dem zuletzt aufstrebenden Verein geht es derzeit wieder bergab – das ist unerfreulich für die Bank, die sich gerade in eine langj?hrige Partnerschaft inklusive der Namensrechte am wohl bis auf Weiteres coronaleeren Stadion eingekauft hat.

Wenn Achleitner ausführt, dass die Pandemie alles Vergangene in den Schatten stellt, gilt dies auch für seine tats?chlichen und vermeintlichen Vers?umnisse. Corona k?nnen ihm schlie?lich nicht mal jene Gegner anh?ngen, die ihm sonst alles B?se zutrauen. Gr??ere Ambitionen hat Achleitner nicht mehr, sein pers?nliches Ziel ist es seine bis 2022 laufende Amtszeit einigerma?en ruhig zu erfüllen - Glück w?re für ihn wohl schon das Ausbleiben weiteren Unglücks. Eine Verl?ngerung seines Vertrags hat er selbst ausgeschlossen, ein vorzeitiges Ende steht auch nicht mehr zur Debatte. Warum auch? Eine abermalige strategische Neuausrichtung wird es nicht geben und an viele Ungew?hnlichkeiten hat man sich schlicht auch gew?hnt: Dass es in der obersten Führungsriege der Bank abermals jede Menge personelle Ver?nderungen gab, w?re bei anderen Unternehmen ein Grund zur Aufregung. Bei der Deutschen Bank ist es Routine.

Deshalb richten sich die Blicke beim Aktion?rstreffen vor allem auf Achleitners m?glichen Nachfolger. Theodor Weimer ist derzeit Chef der Deutschen B?rse und obwohl einige Investoren kritisieren, dass er ?mter im überma? anh?ufe, gilt seine Wahl ins Kontrollgremium als sicher. Denn der frühere Goldman-Sachs- und Unicredit-Spitzenmann kennt sich mit allen Facetten des Bankgesch?fts, ist von Skandalen unbeleckt und anders als Achleitner pers?nlich garantiert nicht zu sanft. Wenn es Weimer nicht g?be, müsste die Bank einen Kandidaten mit diesem Profil fast erfinden. Klar ist aber: Er kann und wird Achleitner in zwei Jahren nur beerben, wenn er dann als Chef der B?rse zurücktritt. Sein Vertrag l?uft bis 2024. Ob der Tausch für ihn attraktiv ist, hat er bisher nicht durchblicken lassen.

W?hlen sollen die Aktion?re neben Weimer auch den früheren SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel. In die Detailfragen des Bankgesch?fts muss der sich noch einarbeiten. In einem von dem Institut ver?ffentlichten Vorstellungsvideo, das ihn vor einem blühenden Baum untermalt von Vogelgezwitscher zeigt, erkl?rt er immerhin brav, dass Deutschland die Deutsche Bank gerade jetzt brauche. Wegen fehlender Kompetenz will eine Gruppe um den seit Jahren mit der Bank im Clinch liegenden Karl-Walter Freitag die Wahl Gabriels verhindern. Das ist sicher nicht angenehm. Aber mit Opposition kennt sich Gabriel ja bestens aus.


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