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Geldanlage global
Sitzt ein Bulle am Flughafen: Das Coronavirus dominiert derzeit das Geschehen, auch an der B?rse Quelle: imago images

Wie Anleger in einer verschuldeten Welt am besten investieren

Mark Haefele Quelle: PR
Mark Haefele Global Chief Investment Officer, UBS Global Wealth Management Zur Kolumnen-übersicht: Geldanlage global

Der kurzfristige Ausblick für die Finanzm?rkte wird wesentlich von den Auswirkungen der Coronapandemie bestimmt. Entscheidend ist, wie lange es dauern wird, bis sich die Wirtschaft der einzelnen L?nder wieder erholt.

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Wir gehen davon aus, dass die Krise nachhaltige Ver?nderungen mit sich bringen wird, auf die sich Anleger schon heute vorbereiten sollten. Vor allem dürften wir nach der Krise in einer h?her verschuldeten, weniger globalen und st?rker digitalisierten Welt leben. Daher werden Anleger wohl zum einen mit h?heren Steuern, Finanzrepression, einer geringfügig h?heren Inflation sowie vermehrtem Populismus und Protektionismus rechnen müssen. Zum anderen wird sie unserer Meinung nach der übergang von globalen zu lokalen Lieferketten und von der analogen zur digitalen Welt besch?ftigen. Deutschland und deutsche Anleger werden im Zuge dieser breiteren, globalen Trends erst recht das Nachsehen haben.

1. Eine h?her verschuldete Welt

Aktuellen Sch?tzungen zufolge dürften die Staatsschulden im Verh?ltnis zum BIP in weiten Teilen Europas und den USA bis 2021 um 15 bis 25 Prozentpunkte h?her liegen als noch Ende 2019. So prognostizieren wir für Deutschland einen Anstieg des Schuldenstands gegenüber dem BIP von 60 Prozent im Jahr 2019 auf 71 Prozent in diesem und im kommenden Jahr. Regierungen und Zentralbanken stehen drei wesentliche Mittel zur Verfügung, um die Schuldenlast zu reduzieren: Finanzrepression, Steuererh?hungen und eine geringfügige Inflationserh?hung. Unserer Ansicht nach sollten sich die Anleger auf den kombinierten Einsatz all dieser Mittel vorbereiten.

Die Finanzrepression, bei deren Anwendung die Zentralbanken die Zinsen künstlich niedrig halten, ist den deutschen Anlegern nur allzu bekannt. Dennoch beobachten wir bereits, wie die Europ?ische Zentralbank ihr Anleihekaufprogramm weiter erh?ht. Schlie?lich stellen die niedrigeren Renditen aus den sichereren Anleihen und Barmitteln für konservative Sparer Kosten dar, und letztendlich tragen diese Sparer die Last der h?heren Verschuldung zusammen mit den Steuerzahlern. Geringere Renditen bedeuten, dass Anleger ihre Barmittel und Anleihen in den Portfolios überdenken müssen. Damit k?nnte sich der Fokus nun auf h?her rentierliche Verm?genswerte wie Aktien und Anleihen mit niedrigerer Bonit?t richten. Anleger, die eine geringere Liquidit?t akzeptieren, werden auch h?here Allokationen in andere Verm?genswerte mit Diversifikationsvorteilen, wie Immobilien und Privatm?rkte, ins Auge fassen müssen.

H?here Steuern h?tten zur Folge, dass die langfristige Finanzplanung und die Berücksichtigung des Ergebnisses nach Steuern noch wichtiger werden. So k?nnten unter anderem der Einsatz von steuereffizienten Investitions-/Ver?u?erungsstrategien, wie die Verrechnung von Kapitalertr?gen und -verlusten, und Steuerstundungsstrategien in Erw?gung gezogen werden.

Die Verlustabsicherung wird aufgrund der niedrigen Anfangsrenditen für erstklassige Anleihen teurer sein. Daher sollten Anleger dynamische Verm?gensallokationsstrategien in Betracht ziehen, die darauf ausgelegt sind, an einem Anstieg der M?rkte voll zu partizipieren, aber das Engagement w?hrend Marktrückg?ngen zu begrenzen. Gold und inflationsgeschützte Anleihen k?nnten gegen das Risiko einer h?heren Inflation absichern.

2. Eine weniger globale Welt

Wir sind der Ansicht, dass die Welt nach der Krise strukturell gesehen weniger global ausgerichtet sein wird. Es ist zu beobachten, dass Regierungen darauf bedacht sind, wichtige strategische Güter vermehrt im Inland zu produzieren, w?hrend sich viele Unternehmen des operationellen Risikos verzweigter, globaler Lieferketten bewusster sein dürften. Hier erkennen wir für Anleger zwei m?gliche Reaktionen:

  • Global diversifizieren. Eine weniger stark vernetzte Welt, in der verschiedene L?nder unterschiedliche Strategien im Umgang mit dem Coronavirus und dessen Auswirkungen verfolgen, führt zu einer potenziell h?heren Ergebnisbandbreite. Prognosen darüber, wer als Gewinner oder Verlierer aus diesem Prozess hervorgehen wird, sind schwierig. Daher sollten Anleger eine globale Diversifikation anstreben, um das Risiko zu mindern. Deutschlands starke Abh?ngigkeit vom Handel macht seine Wirtschaft für einen Rückzug aus der Globalisierung besonders anf?llig. Deutschland war mit einem Au?enbeitrag im vierten Quartal 2019 von 7,4 Prozent in Relation zum BIP anderen gro?en Exportnationen wie Japan und China weit überlegen, die jeweils einen Exportüberschuss von nur 3,9 bzw. 0,8 Prozent verzeichneten. Infolgedessen sollten die Anleger das Ausma? ihres Engagements in deutschen Inlandsverm?gen abw?gen.
  • Engagement bei Nutznie?ern der Lokalisierung anstreben. Die Covid-19-Pandemie, die im Anschluss an die Handelsspannungen zwischen den USA und China ausbrach, hat die Verwundbarkeit globaler Lieferketten klar aufgezeigt. Wenn die Krise vorbei ist, werden Unternehmen und Regierungen vermutlich bestrebt sein, ihre Lieferketten zu diversifizieren und n?her an ihren heimischen Standort zu bringen. Verschiedene Sektoren dürften nach unserem Dafürhalten langfristig von diesem Trend profitieren. Einer davon ist die Lagerautomatisierung. In diesem Bereich erwarten wir wie beim Online-Shopping ein strukturelles Wachstum. Gleiches gilt für die Fabrikautomation. Unternehmen mit automatisierter Produktion konnten die Produktion w?hrend der Krise aufrechterhalten, was ein klarer Wettbewerbsvorteil ist.

3. Eine st?rker digitalisierte Welt

Der Corona-Lockdown hat die Art und Weise, wie Unternehmen arbeiten und Verbraucher einkaufen, sehr ver?ndert. Einige dieser Ver?nderungen dürften von Dauer sein, so etwa die potenzielle Zunahme der Telearbeit oder des Online-Shoppings. Dies wiederum wird unseres Erachtens wichtige Folgen für Anlageüberlegungen haben:



  • Blick auf die Sektor- und Aktienauswahl. Covid-19 hat bereits für eine erhebliche Disruption gesorgt – einige Sektoren wurden beflügelt und andere wiederum haben Schaden erlitten. Zum Beispiel ist die Renditeverteilung des S&P 500 so breit gestreut wie zuletzt 2009. Das l?sst darauf schlie?en, dass Anleger mit der richtigen Auswahl potenziell hohe Gewinne erzielen k?nnten. Damit erh?hen sich die potenziellen Gewinne aus aktiv verwalteten Portfolios. Anleger k?nnen erw?gen, die Flexibilit?t ihres Portfolios zu erh?hen, um diese Gelegenheiten zu nutzen, oder ihr Engagement in Hedgefonds zu verst?rken, die von diesem Trend profitieren dürften.
  • Investitionen in Themen, die von Covid-19 profitieren. Viele Unternehmen und Sektoren, wie etwa im Bereich E-Commerce und Fintech, werden aus einer zunehmend digitalen Welt als langfristige Gewinner hervorgehen. Im Gegensatz dazu k?nnte die Automobilbranche, die 9 Prozent der deutschen Aktienmarktkapitalisierung (gegenüber 0,7 Prozent des US-Markts) ausmacht, besonderen Gegenwind erhalten, wenn die Autonachfrage im Zuge der vermehrten Telearbeit abnimmt.

Das Fazit lautet: Covid-19 ver?ndert die Weltwirtschaft. Anleger, die ihr Verm?gen schützen und vermehren m?chten, werden sich an die neue Weltordnung anpassen müssen.

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